Archiv für Juni, 2007

Ausklang

es ist Sonntag Abend kurz vor Mitternacht und ich saß bis jetzt an einer Präsentation, die ich Morgen früh halten muß. Zahlen zusammenschustern und schön in Powerpoint mit vielen bunten Tortengrafiken aufhübschen, das ist ja eines meiner liebsten Hobbies. Ich glaube, wenn Bill Gates für jedes Powerpoint Chart, das je erstellt wurde, nur einen Cent bekäme, dann hätte ich alleine ihn schon zum Multimillionär gemacht. Ich habe lange genug in diversen Onlineagenturen gearbeitet um zu wissen, dass es nicht auf den Inhalt eines Vortrags ankommt, sondern wie schick und flashy er verpackt ist. Aber anfreunden konnte ich mich mit dem ganzen Presentationenbasteln noch nie. Wer einmal einen guten Presentator miterlebt hat der weiß, es braucht keine bunten blinkie, blinkie Bildchen, die mit dem neuesten Beamer an die Wand gebeamt werden, wenn jemand Charisma, Wortgewandheit und Wissen vereint. Leider werden solche Leute entweder Politiker oder gehen als Sales Leute in Werbeagenturen, wo sie auch wieder für die dunkle Seite der Macht arbeiten. :)
Das sind so die Gedanken, die mir gerade durch mein von Umsatzzahlen zermartertertes Gehrin gehen während ich auf der Dachterrasse sitze und über den Dächern Münchens langsam ein Licht nach dem anderen in den Fenstern ausgehen sehe. Schade, dass der Rotwein, den ich mir aufgemacht habe, zwar ein schickes Etikett aber einen nieren- und leberzerschmetternder Inhalt besitzt. Immerhin reicht er um ins Grübeln nach dem Sinn des Lebens und viel zu kurzen Wochenenden zu kommen. Ausserdem höre ich die beruhigende Stimme von Aretha Franklin über www.musikblog.net (super Website zum Musikhören, probierts mal aus). Und neben mir verkokelt es Falter und kleine Fliegen, die der Halogenlampe neben mir zu nahe kommen. Ist schon witzig, wie sehr sowas stinken kann. Aber irgendwie hat das auch was romantisches. Nur das Kriechgetier wirds wohl kaum so empfinden. :) Ach ja, ganz wichtig, seit Freitag bin ich wieder ein ganzer Mensch. Alice hat es geschafft, mir den Onlineanschluß in die neue Wohnung zu übertragen. Es war dann noch eine mittlere Katastrophe, auch mein WLAN Router wieder ins Laufen zu bekommen (Alice hat bestimmt super Umsatzzahlen im Juni. Alleine meine Hotlineanrufe dürften für ein Umsatzplus von 5% reichen). Aber viele frust- und schmerzvolle Stunden später habe ich die Kiste dann doch noch zum laufen gebracht. Ich habe mal gelesen, es gäbe kein Gerät im Haushalt, das mehr Frust aufwirft als ein Computer. Das unterschreibe ich sofort. Komisch nur, dass wenn man dann keinen zur Verfügung hat, auch wieder unzufrieden ist.

So und ich trinke jetzt noch in aller Ruhe das letzte Glas “ich weiß nicht was da zu Alkohol gegoren wurde, aber Wein darf sich DAS bestimmt nicht nennen!” und kratze die Überreste der Opfer meiner kleinen Lampe neben mir vom Sicherheitsglas. Möge die nächste Woche so chillig werden wie das Wochenende endete.

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Adieu Bourgeoisie, salut Bohème

so, der Umzug wäre im groben geschafft. Nur noch ein paar Kisten aus dem alten in den neuen Keller bringen, die alte Bude noch mal sauber gemacht und den Schlüssel abgeben. Dann ist Münchens bürgeliches Neuhausen Geschichte für mich. Ich werde unseren lieblings Biergarten und die Nähe zum Nymphenburger Schloß vermissen, aber die ersten Eindrücke, die ich von unserer neuen Nachbarschaft habe einfangen können, gleicht das mehr als aus.

Da wir direkt am Schicki Micki Glockenbach Viertel wohnen läuft hier entsprechend hipperes Volk umher. Bis jetzt ist es noch ganz witzig, Morgens auf die Straße zu treten und schwuppe Liebespärchen (gerne auch Tucken genannt), Leute die zur Arbeit hasten und vor allem strange People (bestimmt Künstler oder Selbstdarsteller) in großen Mengen an einem vorbeihasten oder schlendern (das sind dann die, die nicht zur Arbeit gehen) zu sehen.

Auch Abends ist die Gegend bei weitem prickelnder als meine alte Hood. Jetzt kommen die  ganzen Nachtschwärmer und die hübschen, aufgebrezelten Mädels raus. Eine Schande, als ich noch in deren Alter war lief frau noch mit langen Sweatshirts, Rüschenblüschen und saurer Dauerwelle durch die Gegend. Die 80er waren keine gute Zeit für pupertierende Jünglinge. Wollte man Fleisch sehen mußte man sich entweder die Bravo kaufen oder ins Freibad gehen. Die Kids heutzutage brauchen nur noch auf die Straße gehen. Hierüber werde ich aber noch einmal gesondert schreiben. Dieses Thema liegt mir nämlich wirklich am Herzen. :) Außerdem haben wir jetzt endlich einen Balkon mit Blick über München - a Traum hearst! Leider fehlen uns noch ein bisschen die Stühle und der Tisch. Aber um stilvoll mit Kaffebecher und Croissant und O-Saft vom Discount Bäcker zu frühstücken tuts allemal.

Natürlich gibts auch ein paar Wehrmutstropfen. Es gibt zum Beispiel kein offenes WLAN Netz in der Gegend! Und die Pfeifen von Alice brauchen 3 geschlagene Wochen um mich wieder an die Zivilisation anzuschließen. Das ist kalter Entzug für einen Online-Süchtigen wie mich. Außerdem fehlt uns noch die Küche und die kommt erst in zwei Wochen. Solange leben wir von Pizza und Biergarten. Das geht nicht nur mächtig ins Geld sondern auch auf die Hüften. Aber das wird sich hoffentlich alles bald erledigen. Und jetzt werde ich mich aufmachen, neue schicke Kneipen mit stylischen, trendy Typen und vor allem TypiNNEN erkunden und bei nem schönen Glasl Prosecco auf der Terrasse mit einem Seufzer “mei schau, München leuchtet” den Abend ausklingen lassen.

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