Archiv für September, 2007

Instanthochzeit

Eine reiseintensive Woche geht zu Ende. Nachdem ich von little Japan zurück kam, gings am nächsten Tag gleich weiter Richtung Süden. Wir waren zur Hochzeit von Alex (einer der beiden Sarköche von de-lite) und seiner Nun-Ehefrau Sandra nach Südtirol eingeladen worden. Also wurden die Elchwürste erst einmal im Kühlschrank eingelagert, den feinsten Zwirn nebst neuem Binder und Einstecktuch und einem wahrlich famosen Hochzeitsgeschenk eingepackt und schon gings auf Hannibals Spuren über den Brenner in das Land des Dolcen Vita und der Zitronenschüttler.

Nach der Ankunft wurden wir gleich zu einer urigen Weinschenke zum abendlichen Get-Together geladen, wo wir die restliche Festgesellschaft bei einer entapannten “Jause” und ein paar Kurzen kennen lernen sollten. Dort wurde uns dann von Natalie (dem weiblichen Teil des offiziellen Hochzeitskommittees) eröffnet, dass der Wirt des Hotels, in dem wir untergebracht waren, einen original Südtiroler Hochzeitsbrauch organisiert habe und wir uns alle um 2.00 Uhr nachts vor dem Fenster des Brautpaares zusammenzufinden  hätten. Dort werde dann ein Saxophonspieler das (nicht mehr ganz so) junge Paar wecken und danach gäbe es Bier und Weißwürste, um in den Morgen hinein zu feiern… Juhu! Der aufmerksame Leser wird sich bestimmt schon gefragt haben, ob ein nächtlich spielender Saxophonist typisch tirolerisch ist. Diese Frage kann ich verneinen. Normalerweise stellt wohl der örtliche Schützenverein eine Abordnung angeheiterter Böllerschützen, die ein paar Glückwunschsalven in den Nacht ballern. Ich schätze aber, dass der Hotelwirt sich etwas Sorgen um seine Stammgäste gemacht haben dürfte und daher ein etwas leiseres und in seinen Augen auch bestimmt romantischeres Substitut gesucht und gefunden hat. Außerdem war der blasende Troubadour auch gleichzeitig ein begnadeter Alleinunterhalter, sodass sich dieser nach seinem Open Air Auftritt an das neben der Bar aufgestellte Keybord verzog und der - zurecht müden - Hochzeitgemeinde mit Walzer und österreichischen Schlagern einheizte.

Die vorangegangenen Tage waren schon stressig genug und ich hatte mich auf ein paar Tage chilligem Wellness mit viel Schlaf eingestellt. Diese Hoffnung war also unberechtigt. Aber wer kann auch ahnen, welche Hochzeitskulte der Tiroler an sich zu betreiben pflegt. Entsprechend gerädert war ich auch am nächsten, dem “großen” Tag. Die Braut versicherte mir aber, dass ich nicht der Einzige sei, der nicht mehr ganz taufrisch zur Hochzeit ginge. Im Gegensatz zu ihr hatte ich aber keinen Termin beim Visagisten. Ich musste also irgendwie selber mit den sichtbaren Spätschäden in meinem Antliz klar kommen.

Die Hochzeitszeremonie an sich war eine kurze und schmerzlose Angelegenheit. Der italienische Standesbeamte betete seine Paragrafen etwas lustlos runter und um ehrlich zu sein, die einzigen Merkmale, die mir von ihm im Gedächnis blieben waren seine bunte Schärpe und die schwere Bürgermeisterkette. Hätte er noch eine Jeckenkappe getragen hätte er eine Bereicherung für jeden Elferrat abgegeben. Aber das Ambiente war nett. Eine alte Burg namens Fahlburg (oder Phallusburg, wie Robbie sie fälschlicherweise nannte) bot eine prächtige und wildromantische Kulisse. Und auch das gereichte Hochzeitsmenü war von erlesener Qualität. Es gab einheimische Gerichte auf so einem hohen Niveau zubereitet, dass sie jedem 2 Sternekoch zur Ehre reichen. Sollte der Koch diesen Blog lesen: Chef de Cuisine, das war ganz großes Kino: Bravo!

Leider legte besonders die Verwandschaft der Braut auf lustige Untermalung und Tischreden, so dass die kulinarischen Genüsse von viel “Entertainment” hart unterbrochen wurde. Sollte ich je heiraten, werde ich die Veranstaltung in ein Karthäuser Kloster verlegen, da kann ich dann sicher sein, dass ich in ruhe essen kann ;) Immerhin wurde dem aufmerksamen Zuhörer einiges über die Braut und den Bräutigem erzählt, das man noch nicht wissen konnte, oder auch wissen wollte. Zum Beispiel, dass der Brautvater nebst Schwager von einer Instanthochzeit sprachen, da die Brautleute sich wohl recht kurzfristig zum Schritt ins Eheglück entschieden hatten und so etwas die Zeit fehlte, aus der Hochzeit ein Megaereignis wie bei Gülcan zu machen. Aber wenn das eine Instanthochzeit war, wie hätte dann eine “richtige”Hochzeit ausgesehen?!

Herzen als Tischkarten

Alex und Sandra, wenn Ihr zufällig auf meinen Blog stoßt und diese Zeilen lest: Es war ein tolles Fest und vielen Dank nochmal für die nette Einladung. Solltet Ihr wieder heiraten, ich komme wieder! ;)

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Japan in Schweden

Die letzten zweieinhalb Tage hatte ich das “große” Vergnügen, beruflich in Schweden verbringen zu dürfen. Nun stellt man sich Schweden als das Land der Elche, der Midsommernachtsfeiern, der Volvofahrer und uns Königin Sylvia vor. Und ja, es gibt auch diese Postkartenidylle aus dem Knäckebrotland. Leider habe ich davon nichts mitbekommen. Kaum in Arlanda gelandet sind wir auch schon mit dem Taxi auf das platte Land gefahren um dort das wahre Japan genießen zu können. Ja, kein Witz, das Seminar wurde in einem Hotel komplett im Japanstil abgehalten. So wird man an der Rezeption von netten Schwedinnen im Kimono begrüßt, die einem die mit einem Kirschblütenzweig bedruckter Schlüsselkarte für das Zimmer aushändigt und grob erklärt, wie man das zugewiesene Futonbett auf Tatamimatte findet.

Auf der Suche nach dem neuen Heim für die nächsten zwei Tage irrt der verwirrte Mitteleuropäer durch kilometerlange Betongänge, an deren einen Seite Türen abgehen,  vor denen kleine runde Körbe stehen. Ich dachte, es handle sich da um die Idee des Inneneinrichters, um der grauen Tristesse einen japanischen Touch zu geben (kennt man ja, klare Linien, einfache Formen, damit der Geist nicht abgelenkt wird). Es sollte sich jedoch heraus stellen, dass es sich hierbei um das Spa Körbchen handelt, in dem man seine Badehose, Handtücher, ein erbauendes Büchlein mit weisen Sprüchen packen kann um damit Richtung Badehaus zu marschieren. Was sehr clever ist, da man ansonsten nur mit einem Kimono und Frotte Schläppchen bekleidet den Tempel innerer und äußerer Reinigung aufsucht. Die genannten Utensilien liegen frisch gebügelt im Zimmer aus.

Leider konnte ich nur einmal diesen Bereich der Glückseeligkeit aufsuchen, da ich ja zu einer Konferenz da war. Ich nehme an,  die Entscheider, die sich diese Location ausgesucht haben, waren wohl der Meinung, nachdem wir eine Firmen Brainwash bekommen haben, ist es wohl nicht verkehrt, wenn die Mitarbeiter wenigstens in der Freizeit Körper und Geist auf gesunde Art und Weise wieder in Einklang bringen können, statt sich - wie sonst üblich - den Kopf Abends mit übermäßigem Alkoholmängen wieder frei zu knallen.

Keine Frage, es ist ein absoluter Genuß in einem der Thermalbecken zu liegen, auf das Meer herunter zu schauen und Schiffe vorbeiziehen zu sehen. Oder in dem riesen Schwimmbecken ohne kreuzenden Omas mit Badehauben oder pupertierenen, planschenden Pärchen seine Bahnen ziehen zu können. Aber irgendwie hatte ich dennoch Schwierigkeiten mit dem Dresscode, der hier herrschte. Mal sitzen die Gäste (zu 90% Schweden, der Sprache nach zu urteilen) nackt auf kleinen Hockern und übergießen sich mit kleinen Holzeimern mit heißem und kaltem Wasser als ob sie dies über Generationen von einer entfernten Samurai Linie ihrer Vorfahren gelernt hätten. In das Thermalbecken steigen sie allerdings wieder mit Badehose und -anzug, was, soweit ich die japanische Badekulutur kenne, ja eher eine Todsünde ist. Eigentlich komisch. Die Skandinavier sind doch eigentlich dafür bekannt, dass sie keine Probleme mit dem Tragen des Adam bzw. Evakostüms haben. Ich sage nur Sauna.

Langer Rede kurzer Sinn, da bin ich für zwei Tage in Schweden und das Einzig wirklich Schwedische, was ich in der Zeit mitbekommen habe, ist der starke heiße Kaffee, den es zu allen Tages und Nachtzeiten gibt, die Raucher, die zur Befriedigung ihrer Sucht auf den Balkon geschickt werden, den total überteuerten Alkohol an der Bar und an das freundliche “Hey” oder besonders herzliche “Hey-hey”der Einheimischen, wenn sie mit Kimono und Körbchen unter dem Arm in den langen Gängefluchten auf dem Weg zum Wellnessbereich schlappen. Da denke ich mir doch, warum schickt uns meine Firma nicht gleich nach Japan?

Zum Trost nahm ich mir vom Flughafen noch etwas Rentierschinken und Elchwurst mit…

Impression  Bilder an der Wand - That´s Art!  Ausblick aus dem Thermalbecken  Hotelzimmer

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Liebesdienste

Neulich komme ich aus der Haustüre und was sehe ich da - einen Aushang für spezielle Dienstleistungen für “Partis oder Brewart”! Aha, ein “Sexsklafe” hat also noch etwas Zeit und Muse, sich am Wochenende etwas dazu zu verdienen. Oh-kay… Gott sei Dank haben modernere tragbare Geräte zur fernmündlichen Kommunikation Kameras eingebaut, so dass ich sogleich ein Schnappschuß dieses brillianten und mit scharfer Feder verfassten Kleinods machen konnte. Sonst glaubt einem das ja wieder keiner.

anzeige-liebesdienste.bmp

Ich habe vorsichtshalber die Telefonnummern unkenntlich gemacht. Mir wäre es unangehnem, wenn aufgrund der immensen Beliebtheit,derer mein Blog sich erfreuen darf, zuviele Damen der Zielgruppe 30 bis 40 Jahre gleichzeitig oder gar vor 13 Uhr anrufen könnten und somit den Tagesablauf des Aushängers der Anzeige durcheinander bringen könnten. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein gut ausgelasteter “Sexsklafe” rund um die Uhr zu tun haben dürfte. Leider gilt das Angebot ja nur für Frauen ab 30 und “leider” zähle ich mich nun mal zum starken Geschlecht und mein gefühltes Alter ist 29. Ansonsten hätte ich den Kollegen schon lange angerufen. Die Tatsache, dass sich dieser Herr (ich nehme an, es wird ein Herr sein, sonst hätte er von “Sklafin” geschrieben, nicht wahr) im Glockenbachviertel nur an Frauen wendet, läßt vermuten, dass er wohl mit hohen Streuverlusten seiner Marketingmaßnahme rechnen muß. Dem werten Leser, der nicht mit den Münchner Stadtvierteln vertraut ist, sei mitgeteilt, dass es sich beim Glockenbachviertel um den Bezirk der homophilen Szene handelt… :)
Leute, habt Ihr gelesen, für einen Hunderter am Tag darf man über diesen Menschen nach eigenem Gusto verfügen! Eine billigere Putzhilfe kann man sich doch gar nicht vorstellen! Wenn es dem Auftraggeber beliebt, dann leckt er  auch noch die schwerzugänglichen Ecken mit der Zunge sauber und hat sogar noch Spaß dabei! Und sollte man bzw. frau dennoch mit der Dienstleistung nicht zufrieden sein, darf man/sie ihm gerne die Unzufriedenheit über die getane Arbeit per Gertenschläge oder Elektroschocks verdeutlichen. Gut, wahrscheinlich wird die Arbeitsuniform unseres “Sklafen” etwas gewöhnungsbedürftig sein, Spitzenhäubchen und -schürzchen wird mal wohl nicht erwarten können. Aber als aufgeschlossener Mitteleuropäer mit Sinn für Ästhetik würde es mir auch nichts ausmachen, einen Gimp im Ganzkörpergummioutfit beim Putzen herumspringen zu sehen.

Also, liebe Leserin, solltest Du im Umkreis des Sendlinger Tors wohnen und noch eine preiswerte Alternative zu einer klassischen Putzhilfe suchen, würde ich mich über einen kleinen Kommentar oder eine Email von Dir freuen. Ich werde Dir gerne die Telefonnummer weiter reichen. ;)

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