Archiv vom Oktober 2007

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Symphatische Eisenbahner

Ja, es gibt sie noch, Lokführer, die trotz anhaltenden Streiks, jede freie Minute nutzen, um ihre Loks auf den Schienen am Laufen zu halten. Man findet sie vielleicht nicht auf deutschen Bahnhöfen, aber in kleinen Spezialläden, die vom Miniatur- Haltesignal bis zum ausgewachsenem ICE inkl. Speisewagen H0 Spurgröße alles für den Hobbyschaffner in den Regalen gestapelt haben. Und so ein Eisenbahnerparadies betrat ich vor kurzem, um für den Vater meiner besseren Hälfte ein passendes Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Dieser sammelt nämlich Modellautos (“Maßstab 1:87 bitte” – Anm. bessere Hälfte) und hiervon jedoch nur die Polizeiwagen, was wiederum mit seinem Beruf zu tun hat. Der Leser ahnt es, mein Schwiegervater in spe ist ein kurz vor der Pension stehender Polizist.

Modellbahn Alexander

So betraten Susanne und ich ein verstecktes Spezialgeschäft in der Sonnenstraße und ließen uns von dem Zauber dieses Paralleluniversums gefangen nehmen. Der Laden liegt recht versteckt in einer Passage und das Schaufenster ist vollgebaut mit Lokomotiven und Waggons der letzten 200 Jahre, Modellbausätzen für Bahnhöfen und eben auch Modellautos. Der Staub und die orginal angebleichte Patina auf den Exponaten lassen vermuten, dass diese Auslegeware wohl nicht im Monatszyklus ausgetauscht wird. In Anbetracht der schieren Menge der Züge, Plastikhäuschen und des sonstigem Bahnerequipments scheint mir eine häufigeres Wechseln der Schaustücke als – sagen wir mal – alle 15 bis 20 Jahre auch nicht als betriebswirtschaftlich sinnvoll. Aber genau das gibt dem Laden eben die “Streetcredebility”, die es braucht, um von den echten Modellbaufans als “the place to be” akzeptiert zu werden. Im Laden sieht es kein bisschen anders aus. Überall stehen Sammlerstücke in limitierter Auflage, mit und ohne Sonderbemalung gebraucht für ein Taschengeld bis zu Luxuslokomotiven, für die man auch gerne vierstellige Eurobeträge ausgeben kann.

Besonders gut haben mir die kleinen Figürchen gefallen, die man als Passanten auf die Modelleisenbahn stellen kann. Zu finden gab es auch Männchen und Weibchen, die ob ihrer biblischen Nacktheit und gebückten oder liegenden Körperhaltung wohl das Sammelset für den Pornodreh auf der kleinen Miniaturwelt darstellen. Trotz der fingernagelkleinen Größe der Plastik-Lovebirds haben sich die Künstler, die den Schambereich und Brustwarzen bemalten, sehr große Mühe gegeben, sodass man diesen kleinen 1:87 Menschlein eine gewisse Erotik nicht absprechen kann. Um so erstaunlicher, dass auf der Schachtel kein FSK 18 Hinweis zu finden ist.

Wir wurden, wie erwartet, bestens vom Händler beraten, welches Polizeiauto wir am besten kaufen sollten. Unterstützt wurden wir von einem älteren Kunden, der ebenfalls Autosammler war und uns mit seiner hundertjährigen Erfahrung tatkräftig unterstützte. Am Ende wurden es ein amerikanisches und ein Südtiroler Polizeiauto. Leider gab es keine Wasserwerfer oder sonstige Polizeipanzer und auch keine Demonstrantenfigürchen, die von der “repressiven Staatsmacht” mit Tränengas und Schlagstöcken bearbeitet werden. Das hätte ich gerne gekauft, denn Susannes Vater war seinerzeit auch in Brokdorf. Allerdings gehörte er – wie erwarten – nicht zu den langhaarigen Regenmantelträgern, deren “demokratische Grundrechte mit Füßen getreten” wurden, sondern zu den Representanten der behelmten Staatsmacht mit den dicken Wasserstrahlen. Der Mann hat Humor, es hätte ihm bestimmt gefallen :)

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echte Kunst

Da ich gerade nicht wirklich spannendes aus meinem Leben zu berichten habe dachte ich mir, poste ich Euch ein künstlerisches Highlight, auf das ich in der letzten Woche aufmerksam gemacht wurde. Das ist wirklich große Kunst. Ich wünsche Euch viel Spaß damit. Beim nächsten Mal gibts wieder mehr zu lesen. Versprochen. Bis dahin viel Spaß mit dem Filmchen (PS: und wem das noch nicht genug Erotik ist, dem lege ich dieses Filmchen ans Herz. Wer um Himmels Willen kommt auf die Idee, ein eregiertes Glied aus einem Stück Papier zu falten????)

 

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Was bisher geschah…

Jetzt ist es wieder zwei Wochen her, seit ich den letzten Eintrag geschrieben habe und es freut mich, dass mich immer mehr Menschen darauf ansprechen, endlich einmal wieder etwas zu posten. Leider waren auch die letzten Wochen wieder sehr bewegt und ereignisreich, sodass ich nicht die Zeit (oder ehrlicher: die Muse) fand, ein paar neue Zeilen zu bloggen.

Letzes Wochenende zum Beispiel, war ich mit Freunden beim Männerabend auf dem Oktoberfest im Hippodrom. Vom überschwänglichen Bierkonsum einmal abgesehen, bin ich stolz sagen zu können, den Wiesenwirt des Hippodroms und damit DEN Wirt der Promis, Möchtegern- Sternchen und der Schicki-Mickis persönlich kennen gelernt haben zu dürfen. Ich werde ihm bestimmt nicht in bleibender Erinnerung geblieben sein, dafür war die Begegnung zu kurz und vielleicht auch nicht herzlich genug. Mir haben die intimen 30 Sekunden vor seiner Promibox gereicht, um für mich zu entscheiden, dass ich diesem Menschen bewußt kein Geld mehr zukommen lassen werde, auch wenn er zu den Großgastronomen in München zu zählen und Besitzer der WaWi ist. Das ist aber auch nicht so schlimm. Da der gute Mann sowieso nur Paulaner Bier und damit das wohl traurigsteMünchner Gebräu, das sich gerade noch Bier nennen darf, ausschenkt, ist das für mich wirklich kein Verlust. Um´s kurz zu machen, da meine Kumpel und ich nur Bändchen hatten, um ins Zelt hinein zu kommen, aber keine Sitzplätze hatten, mussten wir wie die Wanderameisen innerhalb des Zeltes umherziehen und hoffen, dass wir irgendwo eine Maß abgreifen konnten. Dabei sind wir Seppis Promibox zu nahe gekommen, und der Chef persönlich baute sich vor mir auf (soweit es ihm möglich war. Es kommt nämlich recht selten vor, dass mich Menschen, die noch kleiner sind als ich, anpflaumen) und schnauzte “Wos hobt´s ihr denn hier verlorn!?”. Gott sei Dank gehörten zu seiner Entourage drei seiner Gorillas in Schwarz (diese waren wiederum weit größer und breiter als ich) und gab ihnen sogleich den Marschbefehl “Raus, raus, raus, alle raus hier!”. Und damit wäre der Abend ja auch schon um 19.00 Uhr gelaufen gewsen, ohne auch nur einen Tropfen Alkohol im Blut gehabt zu haben. Die ganze Situation hatte etwas von Kaiser Nero – der Despot und mir war die Rolle als Sklave in der Arena des Circus Maximus zugewiesen, der den wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen werden soll. Der “Gottgleiche” senkt den Daumen nach unten und die hungrign Löwen und Bären wurden zur Belustigung des Kaisers und des Plebs aus den Käfigen gelassen. Wer mich kennt weiß, dass ich physische Gewalt verabscheue und mich meiner Gegner ob meiner überlegenen geistigen Brillianz mithilfe psychologischer Kriegsführung stelle. In diesem Falle bedeutete das konkret, daß ich das Durcheinander vor der Promibox nutzte und mich in eine entfernte ruhige Ecke verkrümelte und wartete, bis die drei Men in Black genug Publikum aus dem Zelt geschubst hatten, sodaß Sepp und ich wieder genug Luft zum Atmen finden konnten. Nachdem meine Kumpels sich alle wiedergefunden und wir endlich einen schönen Stehplatz erkämpft hatten, wurde es aber noch ganz lustig. Endlich bekamen wir ein Bier (wie nicht anders zu erwarten weit unterm Eich eingeschenkt) und den Rest des Abends hatten wir einen gepflegten Wiesnabend.

Tags drauf war ich dann zur Taufe meine ersten Neffen nach Gabsheim eingeladen. Wer nun nicht weiß, wo dieses Nest mit 700 Einwohnern liegt, dem sei gesagt, dass es südlich von Mainz mitten im Rheingau liegt. Ein wirklich wunderschöner Flecken Erde. Aber auch am Arsch der Welt. Das hieß, morgens um 7 h aufstehen und 350 Kilometer quer durch Deutschland gondeln. Mit zwei Maß vom Vorabend im Gesicht und zu wenig Schlaf macht das nicht unbedingt viel Spaß. Dazu kamen noch diverse Staus auf den Straßen, was meine vis comica auch nicht wirklich verbesserte. Wir kamen dann gerade noch rechzeitig zur Kirche, wo die Taufe stattfinden sollte. Der Pfarrer wollte gerade mit den Ministranten und viel tra-ra in der Kirche Einzug halten, als Susanne und ich die Schwelle des Gotteshauses überschritten. Vor lauter Hektik fiel mir gar nicht auf, dass meine Schwester, die Mutter des Täuflings, mit einem hellen, vielleicht etwas mehr als leicht overdressetem Kleid für eine Taufe, erschienen war. In der Kirche wurde uns dann mitgeteilt, dass mit der Taufe gleich auch die kirchliche Trauung der Eltern vollzogen werde. Das war nicht nur für mich eine Überraschung. Meine Eltern saßen neben mir und machten mir Vorwürfe, ob ich das gewußt und warum ich nichts erzählt hätte. Der Tag war wirklich sehr schön, das Wetter spielte mit und der Kaffee wurde draußen im Hof bei warmer Oktobersomme eingenommen. Danach gings dann weiter in ein wirklich nettes Landgasthaus, wo der Tag nach einem leckerem Abendessen dann mit viel Wein ausgeklang. Was mich nur verwunderte war die Tatsache, dass wir mitten in einem Weingebiet feierten und alle Weine, die der Keller des Hauses zu bieten hatte, nicht unbedingt meinen Qualitätsansprüchen genügen konnten – wie auch übrigens die meiner Eltern und soweit ich mich umhörte auch dem Rest Festgemeinde nicht. Dabei kommen so wunderbare Weine aus dieser Gegend. Schade, aber man kann ja nicht alles haben.

Nachdem ich innerhalb von drei Wochen nun schon zum zweiten Mal auf einer Hochzeit eingeladen war, hoffe ich, dass es jetzt etwas ruhiger wird, was diese Art von Festivität betrifft. Langsam wird es eng und die Fragen, wann Susanne und ich nun endlich heiraten, werden deswegen auch nicht seltener. Eher das Gegenteil ist der Fall. Und wenn ich das richtig mitbekommen habe, will Susannes jüngerer Bruder Anfang nächsten Jahres in den sicheren Hafen der Ehe einlaufen. Aber wenigstens werde ich dann wieder was zum bloggen haben :-)

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Wiesenprogramm einmal anders

nach einer beruflich wirklich sehr harten Woche (Standdienst bei einer Messe in Düsseldorf – meine Füße haben heute noch die Form von großindustriellen Krautstampfern. So etwas ist man als Bürohengst nun mal nicht gewohnt. Unsereins ist besser im Sitzfleischbereich trainiert) war es höchste Zeit für mich, mich mental und physisch wieder in Einklang zu bringen. Da traf es sich gut, dass mir ein Plakat in den Sinn kam, welches mir vor kurzem unweit unserer bescheidenen Wohnung aufgefallen war. Hier wurde für ein Alternativprogramm zum Oktoberfest mit dem Titel “Baby Bubbles lustiger Musitransenstadel” beworben.

Baby Bubble

Die erklärenden Worte auf dem Plakat, die mit “Schwingen Sie schillernd auf einer Wolke aus Strass und Flitter mit einer Show, so bunt und komisch wie das Leben: Erleben Sie in Baby Bubble’s lustigem Musitransenstadl die wahre Glückseligkeit. Da werden namen tragende Sterne vom Himmel geholt! Opulente Kostüme, wagemutige Choreographien auf Stöckelschuh Größe 44, freche Conférencen und augenzwinkernde Comedy, herrliche Persiflagen und täuschend echte Star-Parodien” ein Feuerwerk des ernsten Genres gepaart mit einem Schuß verbotener Erotik versprachen, sprachen mein Sinn für Kunst und Kultur umgehend an.

Wie der regelmäßige Leser meines Blogs mittlerweile weiß, wohne ich direkt am wärmsten Punkt Münchens nämlich direkt am städtischen Schwulenviertel und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Spielstätte dieses kulturellen Hochgenusses in Spuckweite unserer Wohnungstür liegt (Oberanger Theater). Nach nur fünf Minuten Fußweg war es dann soweit, Susanne und ich betraten ein Paralleluniversum in blauen Plüschstühlen, roten Lacktischtüchern und überdimensionierten Discokuglen. Das Publikum bestand zum gößten Teil aus “homogenen” Pärchen und – besonders adrett – einigen Männern in Dirndl und Langhaarperücke gezwängt. Besonders gut hat mir ein äteres Semester gefallen, der mit blauweißem Dirndl, blonder Perücke und einem riesen Zinken im Antlitz auf einem der Zuschauerstühle Platz nahm. Er wirkte nicht unbedingt besonders weiblich, aber fesche Wadln hat er schon gehabt. Auch ansonsten gab das Publikum viel her und ließ uns so das Warten auf den Beginn der Show wie im Fluge vergehen. Hier könnte man Sozialstudien betreiben. Insbesondere wenn man interessante Gruppenkonstellationen betrachtet. Was macht z.B. ein vom Lieben Gott nicht wirklich mit äußerer Schönheit bedachtes Mädel mit zwei ganz offensichtlich stockschwulen Jungs, die beide aussahen, als wären sie die nächsten beiden Modelle für Michelangelos David zwei und drei?

Die Show selbst kann ich nur jedem wärmsten ans Herz legen. Baby Bubble ist eine begnadete Confrenciöse und Sängerin. Sie schaffte es bereits in der ersten Ansage, die Leute zum Schunkeln und Mitklatschen zu bringen. Selbst ich habe kräftig mitgeklatscht, da ich Angst hatte, evtl. als Spaßbremse aufzufallen und dadurch auf die Bühne gebeten werden zu können. Wieso ist so jemand eigentlich nicht im Fernsehen? Stattdessen langweilen uns die Sender mit selbstverliebten “Showgrößen” wie Thomas Gottschalk oder Hohlbratzen wie die Möchtegern Popstärnchen bei Dietääh Bohlen.

Das Programm wurde noch von fünf weiteren Herren in Frauenfummel unterstützt (Winnie Winter, Lady Vanessa, Kitty Tornado, Michelle Laurance und Vanessa Balenciaga), die mit weiblichem Charme und Grazie das Publikum zum lachen und mitsingen brachten. Wie es sich für Stars von Welt gehört haben die Damen natürlich auch ihre eigne Homepage LasLunas. Schaut sie Euch mal an, wenn Ihr mal wirklich schöne Beine sehen wollt. So manche Frau wird da wohl feuchte Augen bekommen wenn sie sieht wie ungerecht weibliche Attribute der Schönheit verteilt sein können.

Für zwanzig Euro Eintritt bekommt man weit mehr Unterhaltung als bei so manchen Blockbustern aus Hollywood und das Bier gibts zum fairen Preis auch noch frisch gezapft aus dem Fass. Es war vielleicht nicht alles ganz FSK 16, sodaß ich diese Show nicht unbedingt für einen sonntäglichen Familienausflug empfhelen würde, und nicht jede Playback-Nummer schien 100%ig synchron mit den Lippenbewegungen überweinzustimmen, aber all das tut dem mehr als gelungenen Abend keinen Abbruch. Ich bin bestimmt nicht das letzte Mal zu Gast bei den Transen gewesen.