Archiv für November, 2007

es weihnachtet sehr…

Zurück aus dem (zweifelsohne) wohlverdienten Urlaub und ich muß gestehen, es kommt mir wie ein Kulturschock vor. Gestern noch 23 Grad Celsius und sonnenbadend am Strand und heute sitze ich im spätherbstlichen Mitteleuropäischen Nebel, der nur durch Nieselregen und kalten Windböen aufgelockert wird. Und um die komplette Depri-Winterdröhnung abzurunden, wurde während unserer Abwesenheit die städtische Weihnachtdeko aufgehängt - dabei ist es noch nicht mal Advent! Und dennoch, wir waren auf den Spuren des Weihnachtsmanns…

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Grüße aus dem Süden

Hallo lieber Leser,

schöne Grüße aus Antalya. Ja, heute Morgen noch in München aufgewacht und beim Blick aus dem Fenster Schnee und Winter gesehen und jetzt schon im Süden, da wo´s “warm” ist. Leider kann ich das noch nicht so ganz bestätigen, da wir erst vor zwei Stunden angekommen sind und es aufgrund der Zeitverschiebung leider auch hier schon Nacht war, als wir aus dem Flieger stiegen. Aber der erste Eindruck vom Hotel ist sehr vielversprechend. Wir haben uns in einem fünf Sterne Design Bunker mit großem Spa Bereich eingemietet. Sollte wider Erwarten das Wetter doch keine 20 Grad und Sonnenschein für uns vorgesehen haben, können wir uns immer noch an den riesigen Indoorpool verkriechen oder uns im Hamam von einem schön behaarten türkischen Bademeister richtig übel durchkneten lassen.

Also, schöne Grüße in den deutschen Winter. Onkel Münzi wird sich die nächste Woche die Sonne auf die Plauze scheinen lassen. :-) I´ll keep you informed, was mir hier so alles widerfährt. Der erste Eindruck, den ich von den Mit-Gästen habe gewinnen können, ist recht vielversprechend. Wie erwarten sind keine Prols in bunten T-Shirts, Tennissocken, Sandalen und Hipbags unter der Bierwampe geschnallt unter den Gästen. Dafür scheint der Laden ein beliebter Treffpunkt der türkischen Schicki-Micki Szene zu sein. Zumindest laufen eine Menge einheimische Businessmani mit dunklen Anzügen, schweren Seidenkravatten und pomierten Haaren und deren weibliche Begleitung in Röckchen und exzessiven Goldgehänge herum. Was macht dieser Menschenschlag in einem Wellnesshotel - gemeinsame Besuche in der großen Saunalandschaft? Ich werde es für Euch herausfinden.Notfalls auch unter eigenem Körpereinsatz;-).

Bis dahin viel Spaß im Schnee! ;)

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abgefüllt und original verkorkt

Wer kennt ihn nicht, den legendären Spruch von Loriot in seinem meines Erachtens besten Sketch als Weinkverkäufer, der mehr Spaß am Konsum des mitgebrachten Weines hat, als am Verkauf desselben (Wer sich dieses Juwel Deutscher Humoristik noch einmal in Erinnerung rufen will, der findet hier den Link zu youtube. Die Geschichte passt ausserdem auch brilliant in die nahende Weihnachtszeit. Wer also noch nicht in Stimmung ist, möge sich damit gerne in diese bringen).

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Dieses Wochenende waren wir auf der Forum Vini, der alljährlichen Münchner Weinmesse. Susanne und ich besuchen sie seit drei Jahren und bestellen dort auch unsere Hausweine. Leider scheint die Messe immer professioneller zu werden, sodass sich immer mehr große Weinhändler breit machen und die interessanten kleinen Winzer, die mit Stolz und Inbrunst ihre eigenen Gewächse anpreisen, immer mehr verdrängt werden. Das ist äußerst schade, denn gerade diese kleinen Winzer machen eine Weinmesse erst so richtig spannend. Ich habe schon Messen erlebt, da hat der Winzer seine teuerste Flasche Eiswein entkorkt, wohlwissend, dass ich nichts bei ihm kaufen werde, einfach nur, weil er Spaß hatte, mit uns über seine Weine zu plaudern. Das passiert bei den Weinhändlern mit dem breiten Produktportfolio nicht, die sind bei weitem abschlußorientierter. Diese merken im Allgemeinen schnell, ob man Kaufinteresse bzw. das passende Portemonaie dabei hat oder nicht. Entsprechend üppig fallen auch die Proben aus, die in das Verkostungsglas gegossen werden.

Dieses Jahr hatten wir noch Begleitung von zwei Freunden, die auch den Duft der großen Weine schnuppern oder gar testen wollten. Die Mischung unserer Gruppe war recht heterogen (Susanne und ich bevorzugen Deutsche Weine, Peter trinkt nur “Perlwein” also Puffbrause (er würde Champagner oder Crement schreiben) und Robert schwört auf schwere italienische Rotweine). So “mussten” wir uns durch ein buntes Potpouri von Regionen und Weinsorten trinken. Leider hat es für Robert nicht ganz geklappt. Damit auch er nach vielen Proben auf deutschen und französischen Ständen in den Genuß von Rebensaft aus seiner bevorzugten Region kommen möge, steuerte ich zielstrebig auf einen Stand mit geraffter italienischer Flagge zu und orderte bei der Dame hinter dem Tresen nach einem schönen schweren, italienischen Spitzenwein. Das Fläschle dürfe schon 40 Euro kosten. Ich hatte zwar schon einige Promille im Blut und das Durchgoutieren von Riesling, Kerner, Weißburgunder und Trollinger hinterließen die ersten Bremsspuren in meinem sonst so brilliant arbeitenden Hochleistungsgehirn. Aber irgendwie fand ich dennoch verwunderlich, dass die Dame meinte, sie habe leider nur ganz wenig italienischen Wein dabei, aber die bulgarischen Spitzentropfen, die sie zur Auswahl hatte, seien ein Drittel billiger und doppelt so lecker. Wir probierten hier also drei Weine, die leider nicht Roberts Qualitätsansprüchen an italienischen Wein genügen konnten und so verließen wir den Stand mit ein paar Promillen mehr im Blut und einem Fragezeichen mehr in meinem Gehirn, wieso wir trotz ausdrücklicher der Wunschäußerung, ITALIENISCHE Top-Weine probieren zu wollen, bulgarische No-Names offeriert bekommen zu haben. Insbesondere, da der Stand mit einer großen italiensichen Flagge geschmückt war. Peter fand dann des Rätsels Lösung. Da der Künstler, der sich für die Standdekoration verantwortlich zeichnen darf, die bulgarische Fahne so adrett gerafft aufhing, wirkte das Ganze wie die Dekoration für die italienischen Sonderwochen im Supermarkt. Auch keine schlechte Methode, unbedarfte Kunden an einen sonst eher uninteressanten Stand zu bekommen.

Champus Peter in seinem Element

Ansonsten möchte ich noch die Entdeckung Dänemarks als großes Weinland erwähnen. Es gab tatsächlich einen Stand eines dänischen Weingutes. Auf die Frage, ob das das nördlichste Weinanbaugebiet Europas sei, wurde mir versichert, dass es noch nördlicher ginge. Es gäbe noch anerkannte Anbaugebiete in Schweden und Lettland. Da stellt sich mir  wiederum die Frage, ob da Essig angebaut und sich der Hoffnung hingegeben wird, dass sich Dank der globalen Erwärmung in 50 Jahren den Spitzenlagen in Burgund Paroli geboten werden kann. Der dänische Wein ist übrigens wirklich vorzüglich, ihm fehlt allerdings ein bisschen die Schwere und der Körper. Zusammen mit dem stolzen Preis von 25 Euro pro Flasche ist da meines Erachtens das Preis-Leistungsverhältnis  extrem unausgeglichen. Auch wenn das Etikett mit den nordischen Schriftzeichen schon sehr stylisch ist und ein Hingucker auf jeder Festtafel wäre.

Alles in allem kann man sagen, dass es wieder eine gelungene Aktion war. Unsere Weinvorräte sind für die nächsten 5 Monate wieder aufgefüllt und werden in den nächsten Wochen geliefert werden (wir wissen nur nicht mehr so genau, wieviele Flaschen wir schlußendlich bestellt haben) und wir haben uns einen kalten, verregneten Novembernachmittag preiswert und unterhaltsam schön getrunken.

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Entenhausen liegt an der Weissach

Einer der großen Vorteile, in Bayern seinen Lebensunterhalt verdingen zu müssen/dürfen, ist die üppige Anzahl an Feiertagen, die hier mit Inbrunst zelebriert werden. Das heißt, so ein freier Tag will wohlüberlegt und vernünftig im Sinne der katholischen Kirche begangen werden. Letzter Donnerstag war wieder einer dieser Tage Namens Allerheilligen. In postmodernen Zeiten wie diesen wohl besser als der Tag nach Halloween bekannt.

Daher beschlossen wir etwas aufs Land zu fahren, das schöne Herbstwetter ohne Autos, Straßenbahnlärm, Feinstaubemissionen und vor allem in der buntgefärbten Natur zu genießen. So fuhren wir zum südlichsten Zipfel des Tegernsee nach Kreuth und spazierten ein bisschen die Weissach entlang. Dies ist ein wunderschönes Fleckchen Erde und besonders zur Herbstzeit umwerfend romantisch, wenn die Sonnenstrahlen durch das goldene Blätterlaub scheinen (siehe Beweisfoto weissachalm.JPG)

Aber das Highlight des Spaziergangs ist die Weissach-Alm, ein kleines, verstecktes Wirtshaus im tiefsten Wald. Für Fußkranke und Romantiker, die ihr erstes Date mit einer totalen Charmeoffensive beeindrucken wollen, besteht auch die Möglichkeit, den Fußmarsch durch eine Pferdekutschenfahrt zu substituieren. Der Kutscher mit seinem imposanten Bart und Gamsbarthut sieht aus, als hätter er seinerzeit Ludwig II persönlich chauffiert. Da passt alles. Und sobald man dann das nette Wirtshaus am Ende der Zivilisation erreicht hat, darf man sich auf ein wirklich exzellentes, urbayrisches Essen freuen. Leider sind auch hier das altbekannte Schicki-Micki Volk vorzufinden (wirklich der einzige Minuspunkt :-() und so hatten wir die große Freude, zwei Tische beim - sagen wir mal mentalen Schwanzvergleich - zu bewundern. Es ging um die wichtigste Frage der Welt, wer der originalere Bayer mit den tieferen Wurzeln sei. Diese peinlichen Momente schluckten wir mit einem feinem Tegernseer Spezial Bier hinunter und dann kam auch schon die Ente, auf die wir uns schon den ganzen Tag gefreut hatten. Und ehrlich, dieser Gummiadler ist für etwas größeres gestorben, nämlich mich glücklich zu machen. Ich habe schon viele gebratene Enten gegessen, aber diese hier war mit Abstand der leckerste Donald Duck, der je auf meinem Teller liegen durfte. Ich habe keine Ahnung, wie es der Koch hinbekommen hat, aber die Haut war knusprig und würzig und das Fleisch supersaftig, mit einem wunderbaren Aroma. Phänomenal. Es gab Blaukraut und Knödel als Beilage. Auch hier wieder: top quality! Ganz haben wir die Ente nicht geschafft und ließen uns das große Stück, das einfach nicht mehr in den Magen passen wollte, stilecht in einem Doggybag einpacken. Daraus kochte ich tags drauf eine asiatische Hühnersuppe. Auch darin machte unser nunmehr altbekannter quakender Freund einen schlanken Fuß.

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Lieber Leser, wenn Ihr Euren Lieben einmal etwas wirklich uriges in wunderschöner Landschaft antun wollt, kann ich Euch nur empfehlen, einmal die Weissach-Alm auszuprobieren. Wer sich die geldigen Schicksen in ihren Burberry Hemden und Barbour-Jacken samt ihrer aufgespritzen weiblichen Begleitung wegdenken kann, wird hier einen wunderschönen Abend verleben. Unbedingt ausprobieren!

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